Gemeinsame Nenner.

Dieser Beitrag ist weniger ein klassischer Blog-Post, eher eine Galerie, die sich mit der Zeit wandeln und wachsen wird. Und er ist quasi eine Liebeserklärung. Und zwar an die Bewegungsformen, die mich von klein auf interessiert und fasziniert haben. Und zwar so sehr, dass sie meinen persönlichen Weg maßgeblich mitbestimmt haben und dies auch nach wie vor tun. Skateboarden, Klettern, Mountainbiken, aber auch Snowboarden und Surfen haben nachhaltigen Eindruck in meinem Leben hinterlassen. Da geht es natürlich nicht nur mir so, sondern auch vielen anderen. Außenstehende werden sich fragen, wo hier die Gemeinsamkeiten liegen könnten, während manche Puristinnen und Puristen jetzt möglicherweise ihre Hände überm Kopf zusammenschlagen, weil ich „ihren“ Lifestyle mit anderen in einen Topf werfe. Meiner Ansicht nach gibt es einfach mehr Parallelen als man denkt. Aber was ist es eigentlich, was diese Bewegungsformen für viele so spannend macht? Und warum sollte das lebensbestimmend sein? Warum hört man gerade von Menschen, die eine dieser Sportarten ausüben, gefühlt häufiger Aussagen wie „Bewegungsform X ist kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung“ als von anderen? Ist da vielleicht tatsächlich etwas dran? Und wenn ja, was? Antworten auf diese Fragen findet man sicher auf verschiedensten Ebenen, ich möchte hier meine persönliche Sicht auf die Dinge beschreiben:

Vergessen wir mal die absolut zahlreichen Klischees, die Ausübenden dieser Bewegungsformen von außen zugeschrieben werden bzw. die sich Protagonistinnen und Protagonisten oft selbst zuschreiben. Was bleibt sind, meiner Meinung nach, einige gemeinsame Nenner.

Zum einen ist es die Art, wie die jeweilige Umwelt gesehen und genutzt wird. Verschiedene Geländeformen, Felswände, Wellen, architektonische Konstrukte und dergleichen, Dinge, die die meisten Menschen entweder als Hindernisse oder im besten Fall als „schön anzuschauen“ bezeichnen würden, werden von Ausübenden als endlose Möglichkeiten gesehen. Endlose Möglichkeiten die Umgebung neu und anders zu interpretieren und mit ihr zu interagieren.

Dann ist es die Kombination aus psychischen und physischen Eigenschaften, die die Ausübenden dazu bringt, sich neue Bewegungsabfolgen zu überlegen und Herausforderungen zu suchen und diese dann durch beharrliches Tun und teilweise außergewöhnliche, körperliche Lösungen in die Realität zu bringen. Und das hört nicht auf, wenn man ein bestimmtes Level erreicht hat. Diese Suche nach neuen Herausforderungen ist zentraler Bestandteil dieser Bewegungsformen.

Diese Kombination aus geistiger und körperlicher Anforderung führt darüber hinaus dazu, dass die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen des aus der Psychologie bekannten „Flow“-Zustandes verhältnismäßig hoch ist. Man geht völlig in der Tätigkeit auf, das subjektive Zeitgefühl kann sich schon mal verändern und man erlebt ein Gefühl des Glücks.

Ein Aspekt, den die Herausforderungen mit sich bringen, ist das ständige Scheitern. Es braucht schon mal ein paar Hunderte Versuche bis man einen Skatetrick erlernt hat. Ein Boulderproblem an der Leistungsgrenze wird selten beim ersten Versuch gelöst und in der Regel paddelt man um ein Vielfaches mehr Wellen an, als man dann tatsächlich surft. Man stürzt und scheitert ständig. Und man steht jedes Mal wieder auf und versucht es erneut.

Zu guter Letzt bleibt noch der Hang zur Ästhetik. Egal in welchen der angesprochenen Bewegungsformen man sich umsieht, Stil scheint häufig eine relativ zentrale Rolle zu spielen. Soll heißen, es reicht den Protagonistinnen und Protagonisten oft nicht, dass eine Bewegung „funktioniert“. Man will sich in der individuell „schönsten“ Art bewegen. Klar kann man nun sagen, das ist reine Oberflächlichkeit. Man kann es aber auch anders sehen: es ist der wertvolle Akt, aus den vorhandenen Gegebenheiten das möglichst Beste zu machen. Und was soll daran schon falsch sein!?

Diese Gemeinsamkeiten sind ganz klar Eigenschaften, die man im Leben immer brauchen kann, wenn es darum geht Probleme kreativ zu lösen. Die angesprochenen Bewegungsformen sehe ich als Möglichkeiten diese Faktoren zu kultivieren. In diesem Zusammenhang sehe ich das Skateboard, das Surfboard, das Fahrrad, die Kletterschuhe einfach als Werkzeuge, die ich auch durch andere ersetzen oder einfach weglassen kann. Die dahinterliegenden Prinzipien sind entscheidend. Übertrage ich diese Prinzipien nämlich auf alle Bewegungen im Leben, dann können Schwierigkeiten, die man einfach schnell hinter sich bringen will, auch Möglichkeiten sein, aus denen man das jeweils Bestmögliche macht, auch wenn es nicht beim ersten Mal klappt.

Und das halte ich angesichts der zahlreichen großen Herausforderungen, vor denen wir immer wieder stehen, für absolut notwendig. So gesehen stimmt es: „Bewegungsform X ist kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung.“

Daniel Pavlovic. Wien.
Samuel Buschenreithner. Amstetten.
Angelika Stranz. Marbach a. d. Donau.
Klaus Zeiner. Wienerwald.

Benjamin Zechner. Pyramidenkogel, Kärnten.

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